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In Trump we trust


Wangen im Allgäu, 11. September 2018: Der US-Präsident Donald Trump steht in vielerlei Hinsicht unter Kritik. Doch eins kann man ihm nicht absprechen: Die Kapitalmärkte vertrauen ihm. Deshalb die heutige Überschrift, abgeleitet aus dem Wahlspruch der Vereinigten Staaten auf der 1-Dollar-Note „In God we trust“ (Wir vertrauen auf Gott).

 

USA hui – Europa pfui

 

Und dieses Vertrauen nicht grundlos. Seit seiner Wahl Anfang November 2016 konnte der US-Leitindex S&P 500 knapp 40% zulegen. Die Gründe dafür sind eindeutig. Der Präsident macht eine sehr unternehmensfreundliche Politik. Steuersenkungen, Abbau von Bürokratie und Regulierung, Ankurbelung der Investitionen durch Anreize, Behinderung ausländischer Konkurrenz (Zölle). Man könnte sagen, er denkt in allem was er tut an die heimische Wirtschaft und die heimischen Unternehmen.

Ganz im Gegensatz dazu die europäische Politik. Hier könnte man den Eindruck haben, dass nahezu in jedem Thema eine belastende Komponente für die Wirtschaft gesucht und gefunden wird: Im internationalen Vergleich eine hohe Steuerbelastung, hohe Sozialabgaben trotz dicker Reserven der Sozialversicherungen, rigorose Kündigungs-Schutzrechte (v.a. in Italien), Rückkehrrechte von Teilzeit in Vollzeit, fragwürdige Gleichstellungsmaßnahmen und damit verbundene Bürokratie, neue Rentenansprüche und dadurch wachsende Beiträge, lähmende Datenschutz-Gesetze und vieles mehr, fördern nicht gerade die unternehmerische Dynamik in unserem Land und auf unserem Kontinent. Dazu gesellt sich eine permanente Unsicherheit über die Zukunft unserer Währung, der Zinsen und Inflation sowie der konjunkturellen Entwicklung ganz allgemein. Typisch deutsch sind die dauerhafte Belastung unserer Kernindustrie durch endlose und oft haltlose Diesel-Diskussionen und Infragestellung des Verbrennungs-Motores ganz allgemein. Auch andere Branchen im Dax werden gefühlt systematisch politisch belastet: Banken werden zu Tode reguliert und dürfen kein Geld mehr verdienen. Dafür sind FinTechs en vogue und von der Regulierung bisher fast ausgenommen. Chemie und Pharma sind hierzulande fast Schimpfworte, könnte man meinen. Früher waren deutsche Unternehmen in diesen Bereichen weltweit führend, heute findet Forschung v.a. in den USA statt. Energie-Versorger leiden unter einer katastrophalen konzipierten und umgesetzten „Energiewende“. Trotz höchster Strompreise in Europa verursacht Deutschland immer noch gleich viel Emissionen aus Kohlekraftwerken wie vor 20 Jahren! Deutsche Autos – überall in der Welt beliebt und hoch geschätzt – werden hierzulande verteufelt. Versicherungen, des Deutschen liebstes Kind, werden durch eine politisch administrierte Null-Zins-Politik daran gehindert, Erträge für sich und ihre Kunden zu erwirtschaften. Ganz allgemein fehlt ökonomische Intelligenz in der heimischen Politiker-Kaste nahezu komplett!

 

Und so spiegelt sich diese Diskrepanz an den Aktienmärkten diesseits und jenseits des Atlantiks wider. Während die US-Märkte steigen und seit Trump sogar den Turbo einlegten, stagnieren die europäischen Top-Werte seit Jahren nahezu.

Während also die USA im Boom sind, verunsichern die hiesige Politik und Medienlandschaft zuverlässig Unternehmen und Bürger. Das Chaos in der Flüchtlingspolitik ist ein Musterbeispiel einer Politik ohne System, Konsequenz und klarer Kommunikation. Und so sieht es aus unserer Sicht in vielen – auch von der Öffentlichkeit weniger beachteten – Bereichen aus. Regulierung, Steuerung, Dokumentationen, Risikocontrolling, Compliance, Revision, Prüfer usw. prägen den Alltag nahezu jeder Branche! Man wundert sich geradezu, dass es in unserem Land trotzdem noch so gut läuft!? Ausländische Investoren, die den Großteil an deutschen Aktien halten – was allein schon Bände spricht – schreckt dies mehr und mehr ab.

Europäisches Erholungspotenzial?

Bisher war es falsch auf zurückgebliebene und relativ günstige Märkte zu setzen. Wer Europa statt USA kaufte, war bisher Verlierer. Wer Old Economy statt Internet-Konzerne gekauft hat, muss sich kritischen Fragen stellen, wer aufstrebende Märkte (Emerging Markets) bevorzugte, da diese für über 60% der Weltwirtschaft stehen, war zu bemitleiden. Vereinfacht ausgedrückt, wer nicht Aktien von Apple, Alphabet, Amazon & Co. besaß, geriet ins Hintertreffen.

 

Vor diesem Hintergrund ist man fast schon ein Hasardeur, wenn man doch von einem Aufholpotenzial der aufgezählten, zurückgebliebenen Märkten ausgeht. Wir würden dies trotzdem erwarten, denn die schlechte Stimmung, die in den schwachen Kursen steckt, ist viel schlechter als die aktuelle Lage und die zukünftigen Perspektiven.

 

Viele Gründe sprechen für europäische Aktien:

• Unterinvestierte internationale Anleger in Europa

• Günstige Bewertungen und hohe Dividendenrenditen

• Einzelne Qualitäts-Aktien haben bereits zw. 20% und 40% Korrekturen absolviert

• Konjunktur-Zyklus bei weitem nicht so weit fortgeschritten wie in den USA

• Konjunktur-Indikatoren stabil bis positiv

• Nach wie vor überdurchschnittliche Wachstumsraten der Wirtschaft, niedrigste Arbeitslosenzahlen seit 10 Jahren und geringere Neuverschuldung als in Amerika

• Potenzielle Gefahren verlieren an Sprengkraft (Italien, Brexit). Hier wird es vernünftige Einigungen geben.

• Handels-Streit-Einigungen zw. Europa und den USA sind nur eine Frage der Zeit

• Der Weltkonjunktur-Trend ist nicht abgebrochen, sondern nur durch US-Politik und den starken US-Dollar behindert

• Der um 8% abgewertete Euro ist in den Gewinn-Bewertungen deutscher und europäischer Exporteure noch gar nicht positiv gewichtet.

• Zinsen bleiben extrem niedrig und entlasten weiter die Kostenbasis

 

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Gewinn im Einkauf liegt und daraus die Perspektive für die Zukunft erwächst. Ja, die Gewinne der US-Unternehmen sind durch die Steuerreform stärker gestiegen als anderswo. Ja, die US-Technologie-Unternehmen haben einzigartige, globale Geschäftsmodelle, die auch in der Zukunft zu einer herausragenden Stellung beitragen. Aber auch ja, dies ist bereits in den Aktienkursen enthalten! Oder glaubt tatsächlich jemand daran, dass z.B. Apple wie in den letzten 12 Monaten wieder rund 50% steigen kann? Dies wären 500 Mrd. USD oder soviel wie die Hälfte aller DAX-Unternehmen!

 

Merkwürdig: Wegfallende Risiken nützen den Kursen nichts

 

Natürlich gibt es Risiken. Die italienische Regierung ist unberechenbar und wird in den nächsten Jahren immer wieder versuchen die europäischen Institutionen zu erpressen, da die italienische Volkswirtschaft und deren Verschuldung zu groß ist, um fallen gelassen zu werden. Es wird also alle möglichen Ausnahmen geben, um Europa irgendwie zusammen zu halten. Aber aktuell will sie einen Haushalt im Rahmen der Richtlinien des Maastrichter Vertrages vorlegen. Wieso sollte dies den Aktienmarkt schwächen?

 

Die Türkei-Krise eskaliert nicht. Unser Nachbar am Bosporus ist strategisch zu wichtig (Nato, Naher Osten, Flüchtlings-Zurückhalter, etc.). Eine vernünftige Zentralbank-Politik und ein sachliches Verhältnis zu den USA (nach einer gewissen Frist zur beiderseitigen Gesichtswahrung oder nach der US-Wahl), werden den Druck auf die Währung abmildern. Auch die Annährung an die EU wirkt stabilisierend.

Argentinien und Brasilien sind die Sorgenkinder in Südamerika. Doch in Brasilien finden im Oktober wichtige Wahlen statt und die Aufgeregtheit und Schlammschlacht im Vorfeld ist natürlich groß. Argentinien ist wieder - wie eigentlich immer - in einer Zahlungskrise, arbeitet aber konstruktiv mit dem IWF zusammen. Somit sind fast alle Schwellenländer aufgezählt, die Probleme haben. Der Großteil der Emerging Markets (Russland, China, Südostasien, etc.) haben zu gesunde Staatsfinanzen, um in eine große Schwellenländer-Krise á la 1997 gerissen zu werden.

 

Beim Brexit wird es eine Lösung geben, alles andere ist nicht denkbar. Es wäre geradezu absurd, wenn dies nicht auf sachlicher Basis gelänge. Dafür sind die verantwortlichen Politiker nämlich gewählt. Wir vermuten, dass es auch bald soweit sein wird. Jede Seite will halt bis zum Schluss pokern.

 

Am Ende will Herr Trump in seinen Handels-Konflikten schnelle Lösungen erzielen. Am 6. November sind Kongress-Wahlen. Erfolge müssen her! Vor diesem Hintergrund ist kurzfristig evtl. noch mit weiterem Aufbau von Druck (Drohungen) zu rechnen, aber auch mit baldigen Gesprächen und Lösungsansätzen.

 

Fazit

 

Da der Dax und deutsche Aktien generell sehr stark von der Weltwirtschaft und freiem Handel abhängig sind, ist letztgenannter Punkt wohl hauptverantwortlich für die bisherige Schwäche. Sollte es aber Lösungen geben, so lägen hier auch die größten Erholungspotenziale. Es erfordert jedoch Mut, Nerven und Zeit, die Potenziale in einer Korrektur zu erkennen, zu nutzen und durchzuhalten.

 

 


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