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AKTUELLE MARKTEINSCHÄTZUNG – Dezember 2017


Wangen im Allgäu, 11. Dezember 2017: Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu, so dass wir einen kleinen Ausblick in das kommende Jahr wagen. Der Januar soll dann dem ausführlicheren Rückblick auf dieses Jahr gewidmet sein. In aller Kürze: 2017 war das Jahr der positiven Überraschungen, sowohl politisch als auch konjunkturell. Politische „Unfälle“ in Frankreich und Holland und neue Strukturbrüche á la Brexit oder Trump blieben aus. Dafür überraschte die Weltkonjunktur positiv. Nach vielen Jahren wächst die Welt nahezu im Gleichschritt. Sowohl die etablierten Industrieländer – alle voran Europa - wachsen überdurchschnittlich, als auch die Schwellenländer, die mit einem Anteil von über 50% an der Weltkonjunktur entscheidend sind für die Wachstums-Dynamik insgesamt. Die Erholung der Rohstoffe sorgte für ein Ende der Rezessionen in Südamerika, Russland, etc. Die europäische Wirtschaft konnte endlich die Risiken aus Zeiten der Finanzkrise 2008 und der diversen Euro-Krisen hinter sich lassen und auf einen lange ersehnten Wachstumskurs einschwenken. Ob dies nur den Nachholeffekten geschuldet oder eine nachhaltige Entwicklung ist, wird sich 2018 zeigen. Während das Wachstum in den USA lediglich dem Potenzialwachstum entsprach (nur Durchschnitt), war die Wirtschaft in China und Japan dynamischer als von allen Analysten erwartet. Die klassischen Rohstoff-Industrie-Länder Australien, Kanada, Norwegen schwammen ebenso wie die Schwellenländer auf der Erholungs-Welle. Alles in allem positive Überraschungen, die sich auch in den Aktienmärkten widerspiegeln. In Amerika kam noch eine ungeahnte Kraft durch die Phantasie auf Steuersenkungen und eine alles in allem unternehmensfreundliche Politik hinzu, welche die dortigen Börsen bis zum heutigen Tag kräftig anheizt.

 

Korrektur überzogener Erwartungen

 

Die Stimmung sowohl in der Realwirtschaft, als auch an der Börse kletterte in diesem Jahr auf neue Allzeithochs, man könnte sagen in vielerlei Hinsicht überhitzt. Die Kernfrage lautet also, kann diese gute Stimmungslage gehalten oder sogar noch gesteigert werden oder gibt es eine Korrektur überzogener Erwartungen?

Ganz grundsätzlich ist eine gleichlaufende Weltwirtschaft von sehr robuster Natur. Überall werden Wachstumsimpulse entfacht. Die Umsetzung von langfristigen Investitionen ist ein Prozess der über Jahre anhält und sich selbst befeuert. Relativ große Nachholeffekte in Europa (vor allem in der Peripherie) und in den Rohstoffländern sorgen für Dynamik. Die gute Entwicklung der Arbeitsmärkte weltweit lässt Zukunftsängste schwinden und die Stimmung der Verbraucher ansteigen. Auch diese Indikatoren sind auf nie gesehenen Stimmungs-Hochs. Der Konsum ist somit, neben den Unternehmensinvestitionen, die zweite tragende Säule der Wirtschaftsentwicklung.

 

Doch unterliegen auch robuste langfristige Entwicklungen gewissen zyklischen Schwankungen. Sind Stimmungswerte allerorten auf historischen Hochs und noch höher, reichen schon kleine Enttäuschungen, unerwartete Ereignisse oder politische Unfälle, um zumindest die Stimmung etwas einzutrüben. Die Börsen würden von hohen Niveaus aus sehr schnell und unmittelbar reagieren.

 

Themen mit Enttäuschungspotenzial

 

Wie im privaten Leben, zum Beispiel auf einer Party, vor Weihnachten oder vor einer Hochzeit, bedarf es auch an der Börse keiner großen Enttäuschung, um die Stimmung etwas zu dämpfen, sondern einfach dem Eintreffen lang herbeigesehnter Ereignisse. Die Vorfreude auf solche Ereignisse ist meist groß, man ist vom Zauber des Erwartens beseelt, malt sich gedanklich die schöne Zeit aus und ignoriert die Zeit danach. Auch wenn das Leben danach nicht schlechter verläuft als vorher, ist doch die Hochstimmung relativ schnell verflogen und es beginnt wieder der Alltag. Genauso könnte es 2018 in mancherlei Hinsicht werden:

 

US-Steuerreform kommt und dann?

 

Wir gehen davon aus, dass die US-Steuerreform kommt und auch umgesetzt wird. Es ist ein entscheidendes und zentrales Projekt der Regierung Trump. Doch die Effekte dieser Steuerreform sind an den US-Börsen bereits mehrmals „eingepreist" worden. D.h. die Kurse haben Gewinnsteigerungen durch geringere Unternehmenssteuer-Sätze bereits vorweggenommen. Es könnte also ein Phänomen stattfinden, dass sich „buy the rumor, sell the facts“ nennt. D.h. man kauft in die Phantasie einer Steuerreform hinein US-Aktien und nimmt Gewinne mit, wenn sie dann kommt, da die Phantasie für Neues fehlt. Für uns sind die positiven Effekte dieser Reform v.a. darin zu suchen, dass sie einen weltweiten Zwang zu unternehmensfreundlicherer Politik (geringere Bürokratie, Regulierung u. Steuersätze) hervorrufen könnte, um im Standortwettbewerb nicht zurückzufallen.

 

Notenbanken bleiben expansiv, aber nicht mehr mit Vollgas

Die Notenbanken drucken unter dem Strich weiterhin sehr viel Geld, halten die Zinsen auf Tiefst-Niveaus und sind somit sehr expansiv. Manche wenden ein, dass die Amerikaner doch bereits seit zwei Jahren an einer Zinswende arbeiten und die kurzfristigen Leitzinsen bereits mehrmals erhöht haben, ja die nächste Erhöhung sogar diese Woche ansteht. Richtig, doch entscheidend ist, das Zinsniveau nicht isoliert zu betrachten, sondern immer im Zusammenhang mit der Inflation. Schließlich ist der Zins so etwas wie der ausgleichende Faktor für die Geldentwertung bzw. sollte früher mal so etwas darstellen. Richtiger ist es also, die Zinsen nach Abzug der Inflation zu betrachten, man spricht vom „Realzins“. Und dieser ist in den USA nach wie vor negativ. Die US-Notenbank wird diese Woche die Leitzinsen wohl auf 1,5% anheben. Da die Inflation bei ca. 2% notiert, ergibt sich ein negativer Realzins von -0,5%. Sollte die US-Notenbank weiter an der Zinsschraube drehen, könnte der Realzins plötzlich einmal positiv werden und als Bremsfaktor für die Stimmung wirken.

Die EZB unter Mario Draghi bleibt währenddessen noch expansiver. Sie druckt monatlich weiter Geld bis in den Herbst 2018 hinein. Die Einlagenzinsen für Banken bleiben weiter negativ. Auch die EZB trifft sich diese Woche und wird an der „Krisenpolitik“ auch nichts ändern, allem Wirtschaftswachstum, besserer Arbeitsmärkte und überhitzender Vermögensmärkte (Anleihen, Aktien, Immobilien) zum Trotz. Doch was ist im nächsten Jahr? Kann die EZB weiterhin eine Politik betreiben, die eigentlich für eine Weltfinanzkrise angemessen wäre, jedoch nicht für eine Hochkonjunktur? Wir denken, dass die Anleihenkäufe auslaufen werden, aber mit aller argumentativen Phantasie die Lage so schlecht geredet wird, dass zumindest die Zinsen auf Tiefst-Niveau verbleiben können. Eine weiter mega-expansive Geldpolitik also, die aber an den Kapitalmärkten trotzdem als Stimmungseintrübung empfunden werden könnte. Geht man auf der Autobahn bei Tempo 200 nur etwas vom Gas und verlangsamt auf 140, fühlt sich das ja auch wie eine Bremsung an und man fährt „gefühlt“ langsam.

 

Politische Börsen haben kurze Beine?

 

In der Regel stimmt dieser Satz, da die Börsen mittel- und langfristig immer die wirtschaftliche Entwicklung und die mögliche Entwicklung der Unternehmensgewinne im Blick haben und einpreisen. Kurzfristig sorgen jedoch oftmals politische Ereignisse für Unsicherheit. Aktuell sind die Wahltermine im Jahr 2018 nicht als Risikofaktor im Blick. Das könnte sich jedoch noch ändern. Vor allem die Parlamentswahl in Italien im Frühjahr könnte diverse Risiken in sich bergen. Aber auch die sich lange hinziehende Regierungsbildung in Deutschland, die bisher kein Problem für die Märkte darstellt, könnte bei fortschreitender Unsicherheit über die Führung der größten Volkswirtschaft Europas zunehmende Verunsicherung hervorrufen.

 

Strukturelle Risiken durch ETF´s!

 

Viele Dinge könnten noch aufgezählt werden, die die Stimmung trüben könnten. Wir beschränken uns noch auf ein eher strukturelles Thema, das wenig im Blick zu stehen scheint, jedoch als Brandbeschleuniger möglicher Korrekturen wirken könnte. Mittlerweile fließt sehr viel Geld in sog. Indexfonds. Diese Fonds bilden diverse Indices passiv und kostengünstig ab. Seit der Finanzkrise sind weltweit über 2.500 Milliarden Dollar in solche Produkte geflossen und auch viele Vermögensverwalter nutzen Indexfonds, um verschiedene Märkte und Indices kostengünstig abzubilden. Das ist grundsätzlich etwas Gutes und ein Phänomen lang anhaltender Aufwärtstrends an den Börsen.

 

Sollten jedoch Korrekturen an den Märkten stattfinden, so ist man in solchen Produkten 1:1 dabei. D.h. in passiven Indexprodukten ist eben kein Fondsmanager dazwischengeschaltet, der Aktienquoten reduziert oder absichert. Viele Vermögensverwalter und Private sind dann versucht, möglichst schnell mit dem Verkauf ihrer Indexfonds die Aktienquoten abzubauen. Machen dies jedoch viele und gleichzeitig in aller Welt, könnte das bei dem hohen Volumen in den Indexprodukten zu erheblichen Beschleunigungs-Effekten, im Extremfall sogar zu Liquiditätsengpässen mancher Produkte und ganzer Marktsegmente führen.

 

Fazit

 

Es ist nicht unsere Absicht für 2018 schwarz zu malen. Im Gegenteil: Die Aktienanlage bleibt nach wie vor die attraktivste Form der Geldanlage, die Zinsen bleiben tief und die Weltwirtschaft ist unter Volldampf. Vor allem die Aktienmärkte in Deutschland, Europa und den Schwellenländern haben sogar noch Nachholbedarf gegenüber den USA. Nichts desto trotz ist die extrem gute Stimmungslage in der Wirtschaft und den Kapitalmärkten nicht so ohne weiteres in die Zukunft fortzuschreiben. Diverse Faktoren könnten für Stimmungseintrübungen sorgen, was zu bedeutend höheren Kursschwankungen auf den Kurszetteln führen könnte, als das in diesem Jahr der Fall war.

 


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