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AKTUELLE MARKTEINSCHÄTZUNG – Mai 2017


Die Stimmung der Wirtschaft und Verbraucher ist in vielen Teilen der Welt hervorragend wie lange nicht. Die Inflation kommt wieder etwas in Gang und die Notenbanken bleiben weiter auf dem Gaspedal. Die politischen System-Risiken in der Eurozone scheinen zumindest für dieses Jahr gebannt zu sein. Darüber hinaus könnte ein Paradigmen-Wechsel in der Wirtschaftspolitik anstehen, der sehr wirtschaftsfreundlich ist und international Schule machen könnte. Doch kurzfristig erscheint die Stimmung an den Börsen etwas überhitzt, so dass stattfindende Korrekturen langfristig als gesund zu betrachten wären. Wangen im Allgäu, 28. April 2017: Die umfragebasierten Wirtschafts-Indikatoren sind seit Monaten hervorragend. Sowohl die Unternehmen als auch die Konsumenten sind so positiv für die Zukunft gestimmt, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Ein paar Beispiele gefällig? US-Verbrauchervertrauen auf 16-Jahreshoch; Ifo-Geschäftsklima-Index auf höchstem Niveau seit 2011 und nur knapp unter Allzeithoch; sentix-Konjunkturindex für die Eurozone auf höchstem Wert seit 2007; usw. Darüber hinaus prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) ein stärker steigendes Weltwirtschaftswachstum für dieses Jahr von 3,5% (nach 3,1% in 2016). Zieht man nur solche Indikatoren zu Rate könnte man meinen wir leben in der Besten aller Welten! Auch Inflation wieder im ersehnten Rahmen Wie eine Monstranz trug die EZB in den letzten Jahren die Inflationsrate vor sich her, um ihre extremen Maßnahmen in der Geldpolitik (Negativzinsen, Anleihenkäufe) zu rechtfertigen. Es wurde Angst vor einer unmittelbar bevorstehenden Deflation geschürt. Dabei war die „hausgemachte“ Inflation, also die Kerninflation ohne die heftigen Energiepreisschwankungen, die mit der Konjunktur in Europa ursächlich nichts zu tun haben, immer bei rund 1% geblieben, also keine Deflation. Nur die sehr zyklische offizielle Inflationsrate bewegte sich temporär um die Null und darunter, fast einzig und allein weil der Ölpreis so kräftig gefallen war. Und den kann die Europäische Zentralbank sicher nicht beeinflussen. Aktuell sehen wir Inflationsraten in Deutschland und Euroland von rund 2%, wobei die oben beschriebene Kerninflation bei 1,2% liegt. Passen also die aktuellen „unkonventionellen Maßnahmen“ (Negativzins, massives Gelddrucken durch Anleihenkäufe, stark regulierter Bankensektor, usw.) zu einem Umfeld indem signifikante Inflation herrscht und die Konjunkturindikatoren auf Viel-Jahres-Hochs stehen? Eine Geldpolitik wie in der tiefsten Wirtschaftskrise ist sicher nicht angebracht! Leider kommt man deshalb nicht umhin, eine politische Agenda der Währungshüter zu vermuten. Nämlich, dass die weiter steigenden Staatsverschuldungen in vielen Ländern von der Zinslast her tragbar gehalten werden sollen… Politische Risiken in Europa nehmen ab Nachdem in den Niederlanden ein Erfolg der europaskeptischen Politik gerade so verhindert werden konnte und es in Frankreich ausgemachte Sache zu sein scheint, dass ein ausgewiesener Europa-Freund Präsident werden wird, werden die politischen Risiken für Europa-Investments zunehmend an den Märkten ausgepreist. Demnach kann man vermeintlich wieder in Europa investieren, ohne gleich systemischen Risiken ausgesetzt zu sein. In der Folge steigen europäische Aktien, der Euro zieht an und die Staatsanleihen der Südländer werden auch wieder ohne Angst in die Portfolios gekauft. Steuerpolitik Trumps könnte international Schule machen Zu allem Überfluss gibt es nun auch noch konkrete Angaben zu den künftigen Steuerplänen der US-Administration. Nichts Geringeres als die „größte Steuerreform in der Geschichte der USA“ soll bis Ende dieses Jahres umgesetzt werden. Ganz konkret sollen vor allem Unternehmen entlastet werden. Ausgehend von den aktuell höchsten Steuersätzen in den westlichen Industrieländern (35%), sollen diese in Zukunft nur noch mit 15% belastet werden. Bei der Einkommensteuer soll der Spitzensteuersatz von 39,6% auf 35% sinken und es gibt nur noch drei Steuerklassen (10%, 25% und 35%). Die Steuerfreibeträge würden verdoppelt und die Erbschaftssteuer ganz abgeschafft werden. Ein Traum für Freunde marktwirtschaftlich orientierte Beobachter! Nun werden diese Pläne wohl nicht eins zu eins durch den Kongress gehen, aber die Richtung ist klar. Und diese Richtung in der Steuerpolitik der größten Volkswirtschaft der Welt wird sicher ausstrahlen in die konkurrierenden Länder. Vor allem hat Frau May in Großbritannien bereits ähnliche Pläne in der Schublade. Unternehmen werden dorthin gehen, wo sie die attraktivsten Rahmenbedingungen für Produktion, Absatz und Kosten vorfinden. Der Steuerwettlauf ist eröffnet und wir können davon ausgehen, dass das Umfeld auch hierzulande für Unternehmen in den nächsten Jahren eher besser als schlechter werden muss. Etwas Wasser in den überschäumenden Wirtschafts-Wunder-Traum Fassen wir kurz die positiven Parameter zusammen: Die Stimmung der Wirtschaft und Verbraucher ist in vielen Teilen der Welt hervorragend wie lange nicht. Die Inflation kommt wieder etwas in Gang und die Notenbanken bleiben weiter auf dem Gaspedal. Die politischen System-Risiken in der Eurozone scheinen zumindest für dieses Jahr gebannt zu sein. Darüber hinaus könnte ein Paradigmen-Wechsel in der Wirtschaftspolitik anstehen, der sehr wirtschaftsfreundlich ist und international Schule machen könnte. All diese Faktoren sind unmissverständlich positiv und hervorragend für die Aktienmärkte, das ist keine Frage! Die Frage ist eher, inwieweit die Börsen ein solch positives Umfeld bereits in den Kursen vorweggenommen bzw. eingepreist haben? Überhitzte Stimmungsindikatoren sollten sich der Realität anpassen Doch zunächst einmal betrachten wir die eingangs erwähnten umfragebasierten Wirtschaftsindikatoren und deren Zusammenhang mit der realen Wirtschaft. Zieht man die Vergangenheit zu Rate, dann müsste ein US-Einkaufsmanagerindex auf aktuellem Niveau ein Wirtschaftswachstum in Amerika von 4% nach sich ziehen! Leider lässt sogar die positivste Sicht eine solche Prognose nicht zu. Im Gegenteil wird die US-Wirtschaft im laufenden Jahr realistischerweise eher 2% und im ersten Quartal sogar unter 1% wachsen. Betrachtet man den deutschen Ifo-Geschäftsklimaindex im historischen Vergleich, so müsste die deutsche Wirtschaft 2017 um phantastische 5% wachsen (Wirtschaftswunderzeiten?!). Wir denken, dass man kein Prophet und Volkswirt sein muss, um zu wissen, dass es hierzulande zwar sehr gut läuft, aber solche Wachstumsraten in einer reifen und hochentwickelten Volkswirtschaft nicht zu realisieren sind. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Stimmung in der Wirtschaft wohl etwas überhitzt ist und die Indikatoren sich in den nächsten Wochen und Monaten auf ein realistisches - trotzdem sehr gutes Maß - zurückbilden sollten. Eine überschaubare Korrektur täte den Börsen gut Sehr gute, aber doch rückläufige Wirtschaftsindikatoren sollten nicht spurlos an den Börsenkursen vorübergehen, da die Börse stark auf solche Impulse reagiert. Darüber hinaus haben vor allem die US-Börsen Bewertungs-Niveaus erreicht, die im historischen Kontext zumindest als sehr ambitioniert angesehen werden können (siehe letzten Marktkommentar). Wie wir des Öfteren bereits ausgeführt haben, werden kurzfristig die Börsenkurse nicht von den Fakten bestimmt, sondern von Meinungen über Fakten, also der Stimmung. Dass diese nicht allzu schlecht ist erkennt man daran, dass die wichtigsten großen Indizes seit den Tiefs im letzten Jahr um rund 43% (DAX), 37% (Dow Jones) zugelegt haben. Fazit Das Umfeld für die Wirtschaft und die Aktienbörsen ist unumstritten sehr gut. Kurzfristig sprechen jedoch einige Parameter für Überhitzungserscheinungen, die die nächsten Wochen und Monate abgebaut werden sollten. Korrekturen von 5-10% in den großen Indizes sollten also eingeplant werden. Strategisch bleibt die Aktienanlage jedoch äußerst attraktiv und Kursschwankungen nach unten bieten langfristig gute Einstiegsgelegenheiten. Das Motto lautet also für uns: „Sell in may and stay“, in Abwandlung des alten Börsenmottos „sell in may and go away“. Das bedeutet, beweglichere Anleger könnten durchaus taktische Aktienquoten etwas reduzieren, um einer gesunden Korrektur an den Märkten zu begegnen, sollten jedoch „dableiben“, da die Korrektur schneller von statten gehen könnte als man denkt. Die langfristig orientierten Teile eines Portfolios sollten jedoch aufgrund der hervorragenden Rahmenbedingungen auf jeden Fall gehalten werden.


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