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AKTUELLE MARKTEINSCHÄTZUNG – März 2017


Relative Ruhe herrscht in vielen Teilen der Finanzmärkte vor. Zu Recht, denn die ökonomischen Aussichten für die Weltwirtschaft sind so gut wie lange nicht. Kurzfristig könnte diese Sorglosigkeit jedoch trügerisch sein. Angespannte Trends, ambitionierte Bewertungen gepaart mit politischen Unsicherheiten und asymmetrische Wahrnehmungen, führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest zu einer Zunahme der Schwankungen. Wie immer gilt es, diese als Anleger rational zu nutzen.

 

Wangen im Allgäu, 28. Februar 2017: Die Trump-Rallye, ausgehend von den US-Aktienbörsen hält nun den dritten Monat in Folge an. Ein Plus von über 13% im breiten S&P500 ist zu verzeichnen und man hat den Eindruck, dass die europäischen Märkte regelrecht „mitgeschleift“ werden, jedoch nicht unbedingt aus eigener, innerer Stärke und Überzeugung steigen.

 

Zu Unrecht, denn die Wirtschaftsdaten in Europa rechtfertigen durchaus eine eigene positive Sicht, die auch ohne Phantasie hinsichtlich irgendwie gearteter „Trumponomics“ auskommen könnte.

 

Europäische Wirtschaftsdaten positiv

 

Zum einen sind hier die Arbeitslosenzahlen zu nennen, die im Großteil der Eurozone seit 2014 stetig fallen und jüngst mit 9,6% auf einem Niveau angekommen sind, welches zuletzt vor über sieben Jahren erreicht wurde! Strukturell stark daran ist, dass nahezu alle Länder diesen positiven Trend verzeichnen. Die stärksten Rückgänge werden aus Spanien, Portugal und Irland gemeldet, also den ehemaligen Problemländern. Eigentlich sind es nur zwei Kandidaten, die bisher erfolgreich verhindern, dass sich das positive wirtschaftliche Umfeld auf die heimischen Arbeitsmärkte niederschlägt: Italien und Österreich.

Nun sind die Arbeitsmarktzahlen immer ein Blick in den Rückspiegel, der jedoch zeigt, wie die strukturelle ökonomische Gesundung in Europa Traktion gewinnt - zwar langsam, aber stetig. Nun ein Blick auf das aktuelle Geschehen und die Aussichten für die Zukunft:

Rückenwind erhält die europäische Wirtschaft von der Stimmung in den USA und der weltweiten Konjunkturerholung. So verzeichnet der sentix-Konjunkturindex Global den höchsten Wert seit 2011 und die USA erwarten nichts anderes als einen Boom.

In diesem Umfeld profitieren natürlich auch die exportstarken europäischen Länder und Branchen, die darüber hinaus noch einen zusätzlichen Schub über den schwachen Euro erhalten. Sowohl die Einkaufsmanagerindizes für die Dienstleister als auch die Umfragewerte aus dem verarbeitenden Gewerbe notieren auf Mehrjahreshochs. Letzteres ist besonders erfreulich, da die westliche Welt seit Jahren unter einer Investitionsschwäche der Industrie und des verarbeitenden Gewerbes leidet.

Darüber hinaus erlebt Deutschland einen Konsum-Boom, der hauptsächlich Ursache für das Wirtschaftswachstum in 2016 war. Sollte dieser anhalten und der Export sowie Inlandsinvestitionen sich beleben, wäre das ein äußerst positives Szenario.

 

International sieht es noch besser aus

 

Trump elektrisiert mit seinen Plänen zu Steuersenkungen, Deregulierung und ganz generell unternehmerfreundlicher Politik die Aktienmärkte und die US-Wirtschaft. Fast schon euphorische Reaktionen in Umfragen und an der Börse sind die Folge.

Aber auch im Rest der Welt tut sich einiges. So beenden im Zuge der Rohstoffpreis-Erholung wichtige Länder wie Russland oder Brasilien ihre Rezessionsphasen und wachsen wieder. China wächst weiterhin stabil und die strukturellen Umwälzungen scheinen ganz gut bewältigt zu werden. Resultat aus dem Ganzen: Der Welthandel könnte erstmals seit 2010 vor einer signifikanten Wende nach oben stehen.

Ganz grundsätzlich bleibt den Unternehmen weltweit mehr Spielraum, Preise an Abnehmer überwälzen zu können, da China´s Produzentenpreise seit vielen Jahren erstmals steigen. Das bedeutet, dass der deflationäre Druck, der von China als Werkbank der Welt die letzten Jahre ausging, nachlässt und die Phantasie für eine überschaubare Inflation nährt.

 

Wirtschaft hui, Politik pfui – oder wo sind die Risiken?

 

Mit dieser Überschrift haben wir schon so manchen Marktkommentar eröffnet und er könnte wiederum symptomatisch für die kommenden Wochen und Monate sein. Die relative Ruhe und Gelassenheit, mit der diverse Märkte vom deutschen Rentenmarkt über die Aktienmärkte generell, bis hin zu den wichtigsten Währungen, Rohstoffen und Gold in den vergangenen Monaten agierten, könnte zunächst einmal vorbei sein.

 

Aktien kurzfristig überhitzt – langfristig weiter positiv

 

Aus unserer Sicht sind die Aktienmärkte etwas überhitzt und es wäre zumindest Zeit für eine Pause. Dafür sprechen mehrere Gründe:

Die Volatilität (Schwankungs-/Stressindikator) der großen Aktienindizes bewegt sich auf Mehrjahrestiefs, d.h. die Sorglosigkeit der Anleger ist groß und die Absicherung der Portfolios institutioneller Anleger gering. Es genügt ein kleiner Funke, um dieser ausgetrockneten Risikosicht etwas Feuer zu machen.

Die US-Börsen steigen nun mehr oder weniger seit einem Jahr ununterbrochen und stoßen nicht nur charttechnisch an gewisse Übertreibungsgrenzen. Vor allem der Abstand zu langfristig gleitenden Durchschnitten, wie der berühmten 200-Tage-Linie, ist sehr angespannt. Per heute (28.02.) hat der Dow Jones sogar das Kunststück vollbracht, zwölf Tage hintereinander ununterbrochen zu steigen. Dies gelang ihm seit 1987 nicht mehr!

 

Auch bewertungsmäßig ist bereits sehr viel positive Phantasie in die Aktienkurse der US-Dividenden-Titel eingeflossen. Dabei sollte bedacht werden, dass noch sehr unkonkrete Steuersenkungspläne und Deregulierungsabsichten der neuen US-Regierung nicht unmittelbar umsetzbar sind und Monate, wenn nicht Jahre brauchen, um Wirkung zu entfalten. Darüber hinaus ist das Steuer-Einsparpotenzial bei großen internationalen Konzernen begrenzt, da diese über Offshore-Niederlassungen kaum Steuern bezahlen.

 

Heimische Aktienindizes wie DAX, EuroStoxx50 und Co. stoßen ebenfalls, vor allem charttechnisch, an obere Begrenzungslinien, die zumindest kurzfristig für Konsolidierung oder Korrekturen sorgen sollten.

Auslöser und Überschriftengeber für Korrekturszenarien an den Aktienmärkten könnte – wie immer – vor allem die Politik sein. Aktuell sorgt Herr Trump noch mit den avisierten „unglaublich tollen Steuerreformabsichten“ für Treibstoff. Sollte er jedoch nicht in absehbarer Zeit liefern oder nur in vagen Äußerungen verbleiben, sind Enttäuschungsreaktionen wahrscheinlich.

Am 15. März wählen die Niederländer ein neues Parlament. Unserer Ansicht nach erfährt dieses Ereignis in den Medien vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Da die Börsen dazu neigen erst mit Monatsbeginn die Ereignisse der nächsten vier Wochen einzupreisen, könnte sich das Anfang März ändern.

 

Rentenmärkte asymmetrisch

 

Ganz anders die Präsidentschaftswahlen in Frankreich. Hier wird das „Risiko“ einer Präsidentin Marine Le Pen bereits seit Wochen „eingepreist“ – zumindest bei Staatsanleihen. 10-jährige Vertreter dieser Gattung büßten die letzten Monate bereits über 6%-Kursverlust ein, ein Abschlag auf das Austrittsrisiko Frankreichs aus der Währungsunion. Ganz anderes die heimischen Bundesanleihen gleicher Laufzeit, die als Hort der Sicherheit von dieser Fluchtbewegung profitierten.

Sollten nun die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich einigermaßen friktionsfrei und ohne größere „Unfälle“ von statten gehen – was wir erwarten - dreht sich die ganze Bewegung zurück. Französische Staatsanleihen wären plötzlich große Kursgewinner, während bei deutschen Korrekturen anstehen würden. Alles in allem nehmen die Schwankungen zu.

 

Rohstoffe & Gold

 

Die jüngsten inflationären Tendenzen sind nahezu ausschließlich auf den seit Februar 2016 gestiegenen Ölpreis und im Zuge dessen gestiegene Rohstoffpreise zurückzuführen. Es ist deshalb auch unschwer zu prognostizieren, dass dieser „Inflationsimpuls“ noch einige Wochen, bis mindestens in den Mai hinein anhalten wird. Denn der dynamischste Teil der Ölpreis-Rallye fand von Januar 2016 bis Anfang Juni 2016 statt und führte von 27 US-Dollar pro Barrel auf 52 Dollar. Dieser sog. Basiseffekt (bezogen auf die vor 12 Monaten tieferen Preise) sollte also bis in den Frühsommer anhalten und sich dann abschwächen.

Gold ist Gewinner von Inflation und politischen Krisen – so die allgemeine Annahme. Richtiger ist jedoch, dass Gold in erster Linie eine Funktion der Realverzinsung (Zinsen minus Inflation) darstellt. D.h. steigt die Inflation, aber die Zinsen nicht, steigt Gold. Steigen die Inflation und die Staatsrenditen im Gleichklang, stagniert Gold. Fällt hingegen die Inflation und die Staatsrenditen bleiben stabil (z.B. weil die Verschuldung weiter steigt), so verliert Gold.

 

Fazit

 

Grundsätzlich ist für uns der weltwirtschaftliche Grundtrend positiv und das ist gut für Aktien. Interpretiert man die aktuelle Situation und fügt hinzu, was uns an politischen Dingen bevorsteht, sollte jedoch eine Zunahme der Schwankungen in nahezu allen Anlageklassen keine allzu utopische Prognose sein.

Wichtig für den Anleger: Solche Schwankungen sind als Gelegenheit zu betrachten, aussichtsreiche Anlageklassen günstiger zu erwerben. Dazu ist es jedoch existentiell notwendig, sich bereits im Vorfeld mental darauf einzustellen, um dann im „Krisenumfeld“ rational und nüchtern handeln zu können.

 


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